Projektmanager oder Fachexperte?

Wer an Projekten beteiligt ist, wird an der immer wiederkehrenden Diskussion, ob besser ein ausgebildeter Projektmanager oder ein Fachexperte das Projekt leiten soll, nicht vorbeikommen. Dabei sollten Sie sich zuallererst bewusst werden, dass sich diese zwei Rollen nicht ausschließen und dies nicht zwingend eine Entweder-Oder-Entscheidung sein muss. Es gibt viele Mitarbeiter, die gleichzeitig ein Projektmanager und ein Fachexperte sind. Die Frage sollte also stattdessen lauten:

Ist es relevant, dass der Projektmanager sich in den projektbezogenen Themengebiet gut auskennt und umfassendes Hintergrundwissen hat, oder ist dies eigentlich nicht nötig, um das Projekt zum Erfolg zu führen?

Was spricht für Projektmanager-Skills?

Lassen Sie uns zuerst einmal einen Blick darauf werfen, welche Gründe eigentlich dafürsprechen, dass Projektmanagement-Kompetenzen die wichtigsten Fähigkeiten eines Projektmanagers sind.

Der Projektmanager „leitet“, das Team „führt aus“
Laut Definition (PMBOK) ist ein Projekt „ein zeitlich begrenztes Vorhaben, zur Schaffung eines einmaligen Produktes, einer Dienstleistung oder eines Ereignisses“. Abgeleitet besteht die Aufgabe eines Projektmanagers also nicht darin aktiv am Projekt mitzuarbeiten, sondern es zu leiten und die besten Leute für die tatsächliche Umsetzung auszuwählen. Sobald dem Projektmanager ein qualifiziertes Team zur Verfügung steht, das ihn über das Wichtigste aufklärt, muss er nicht unbedingt umfassendes Fachwissen besitzen.

Die Vogelperspektive einnehmen
Oftmals ist es sogar von Vorteil, wenn ein Projektmanager kein Fachwissen hat. Als Außenstehender hat er einen unvoreingenommenen Blick auf das Projekt, kann das große Ganze im Auge behalten und verliert sich nicht in unwichtigen Details. Projektmanager, die keine Fachexperten im Themengebiet sind, können das Risiko eines sogenannten „Scope Creeps“, also einer schleichenden und unkontrollierten Zunahme des Projektumfangs, reduzieren. Denn sie neigen nicht zu sehr dazu, das Produkt oder den Service zu perfektionieren. Ihre Priorität liegt darauf alle Projektziele termingerecht zu erreichen.

Bessere Kommunikation
Ein Hauptbestandteil des Jobs eines Projektmanagers ist die Kommunikation, und zwar nicht nur mit dem Team, sondern auch mit allen wichtigen Stakeholdern (z.B. Kunden, Projektsponsoren oder Vorgesetzte). Egal, ob intern oder extern, die meisten Stakeholder besitzen ebenso kein Fachwissen zum Thema. Der Projektmanager ist hier also in einer Vermittlerrolle, in der er den Stakeholdern das Projekt leicht verständlich erklärt, anstatt mit technischen Fachbegriffen um sich zu werfen.

Was spricht für Fachwissen?

Detailliertes Hintergrundwissen
Fachexperten haben ein tiefes Hintergrundwissen und -verständnis zur jeweiligen Branche, in der sie arbeiten. Sie kennen verschiedene Best-Practice-Ansätze und verschiedene Technologien, welche in diesem Bereich eingesetzt werden. Darüber hinaus kennen Sie sich aus der Praxis mit den verschiedenen internen Prozessen und Abläufen aus. So können Fachexperten bei Personal- und/oder Zeitmangel sofort einspringen und Aufgaben im Projekt selbst umsetzen.

Bessere Planung
Wenn man sich in der Materie nicht auskennt, ist es nahezu unmöglich genaue und realitätsgetreue Kalkulationen zu machen und Deadlines zu setzen. Gute Projektmanager, die sich auf die Einschätzung ihres qualifizierten Teams verlassen können, können einen Projekt- und Zeitplan natürlich auch ohne Fachwissen erstellen. Dennoch können hier Konflikte entstehen, da Projektmanager oft den Zeitaufwand bis zur Fertigstellung unterschätzen. So werden unrealistische Deadlines gesetzt, die das Team nicht einhalten kann und die die einzelnen Mitarbeiter unnötig unter Druck setzen. Ein Fachexperte wiederum weiß ziemlich genau wie hoch das Arbeitspensum des Projektteams ist und kann daher besser einschätzen, ob die Kalkulationen realistisch sind oder nicht. Auf diese Weise kann ein Fachexperte meist besser planen als der Projektmanager ohne Fachwissen.

Effizientere Problemlösung
Der letzte Punkt ist vielleicht am wichtigsten: Fachexperten sind bessere Problemlöser. Sie können Probleme besser und schneller nachvollziehen und sind damit auch mit der Problemlösung schneller. Denn die Problemlösung fällt natürlich auch einer Person, die sich in der Materie auskennt, um einiges leichter. Ein Fachexperten verstehen nicht nur die Materie besser, sondern auch das Team, da sie in den meisten Fällen schon einmal selbst in der Haut der Projektmitarbeiter steckten. Sie können sich also besser in die Teammitglieder hineinversetzen sowie mit ihnen sympathisieren und kommunizieren.

Wie sollten Sie sich entscheiden?
Nach obiger Analyse ist Ihnen sicherlich klar geworden, dass jede Seite gute Argumente hat. Beide, der Projektmanager und der Fachexperte, bringen Nutzen für das Unternehmen. Wie so oft im Alltag und im Berufsleben, kommt es tatsächlich auch hier darauf an – auf die Industrie, das jeweilige Unternehmen und auch auf die Einzelperson. Letztendlich ist es eine sehr individuelle und situative Frage: Nutzt ein Projektmanager mit oder ohne Fachwissen beziehungsweise mit oder ohne Projektmanagement-Kenntnisse dem jeweiligen Unternehmen in dem spezifischen Projekt mehr?

Die Alternative
Es gibt auch eine dritte Möglichkeit: Sie stellen sowohl einen Projektmanager als auch einen Fachexperten für die Projektleitung ein. Mit Hilfe des Fachexperten kann der Projektmanager im Projektverlauf genauere Einschätzungen machen und Risiken besser einplanen, während der Projektmanager den Blick für das große Ganze behält und eine gute Führung sowie Kommunikation sicherstellt. Auf diese Weise schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe.

Ursprünglich erschienen im InLoox Blog am 26. Februar 2016

 

Über den Autor:

Kathrin Jungwirth

Kathrin Jungwirth ist Marketing und PR Mangerin bei der InLoox GmbH. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Fokus Tourismus an der Hochschule München und einem Auslandsaufenthalt in Finnland vertiefte sie ihre redaktionelle Expertise in München. Sie verfügt über mehrjährige Erfahrung im Online- und Content-Marketing im B2B-Umfeld sowie im Bereich Public Relations.